Piloten-Accessoires – react Brille

Ein Drohnenpilot in freier Wildbahn ist der Witterung voll ausgesetzt. Sinnvolle und gut gewählte Ausrüstung verbessern nicht nur den Komfort, sondern können den Piloten auch bezüglich Sicherheit unterstützen.
Dies ist besonders bei unseren Augen der Fall: der Sehsinn ist der meistbeanspruchte Sinn beim Drohnenfliegen. Die Kontrolle der Telemetriedaten und der Kameraeinstellungen am Bildschirm und der Check des Luftraumes verlangen nach schneller Helligkeitsanpassung unserer Augen (Adaption).
Eine grosse Herausforderung für unsere Optik ist der Wechsel zwischen dem Blick auf die Fernsteuerung und dem Blick zur Drohne, also der Wechsel vom Dunkel ins Helle. Eine klassische Sonnenbrille mag den hellen Himmel wohl abdunkeln, aber dunkle Bereiche auf dem Bildschirm können dadurch kaum mehr wargenommen werden.

Freundlicherweise hat uns die Firma Optrel sports AG zwei Brillen aus ihrem Produktportfolio zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Optrel Sports ist ein Teil der Optrel-Gruppe welche Bekanntheit erlangte mit Schweisshelmen, welche automatisch abdunkeln. Die react Sonnenbrillen arbeiten mit derselben Technologie und bieten:

  • automatische, adaptive Helligkeitsanpassung (innert 0.1sec)
  • Betrieb ohne Batterie / Akku
  • duale Polarisierung
  • UV Schutzbeschichtung
  • bruchsichere Polycarbonat-Scheibe


Wir haben das Produkt im Drohnenbusiness für euch getestet.

Testumgebung 1: Inspektionsflüge

Lange Zeit draussen im freien Feld, mit hohem selektiven Konzentrationsgrad auf den Bildschirm
Wichtig: Die Polarisierung der Brille darf das Ablesen des Bildschirmes nicht beeinträchtigen. Der Fokus liegt auf Textangaben und kleinen Bilddetails. Daher ist es wichtig, dass die Brille keine Verzerrungen aufweist.

Ergebnis:
Der konzentrierte Blick auf das Fernsteuerungsdisplay wird durch die adaptive Helligkeitsanpassung positiv unterstützt. Das Bild wird durch die Sonnenbrille nicht so stark verdunkelt, dass Details in dunkeln Bildbereichen unsichtbar werden.
Trotzdem sind die Augen beim Blick in den hellen Himmel optimal geschützt.
Das Glas (Polycarbonat) der Brille ist zweifach polarisiert, dadurch ist der Bildschirm immer lesbar – sehr gut. Genau das mag ich nämlich an meiner bisherigen klassischen polarisierten Brille gar nicht.
Mir fallen jeweils kleine optische Verzerrungen im Glas auf. In dieser eher “statischen” Mission hatte dies aber keine grossen Auswirkungen. Dasselbe ist mir auch ein wenig beim Autofahren zwischen den verschiedenen Flugarealen aufgefallen.
Wer mit Schirmmütze fährt und fliegt merkt rasch, dass der Sensor der adaptiven Helligkeitsanpassung oben am Brillenrahmen angebracht ist. Bei direkter Sonneneinstrahlung wird erst abgedunkelt wenn der Sensor entsprechend angeschienen wird.
Dies kann etwas irritierend wirken und auch mal dazu führen, dass man geblendet wird.

Fazit Testumgebung 1:
Die Brille eignet sich sehr gut für diesem Zweck. Die Polarisierung entspiegelt glatte Oberflächen sehr gut und die adaptive Helligkeitsanpassung erspart das Weglegen der Brille beim Display-Blick. Die Verzerrungen stören ein bisschen. Die Sensorabdeckung mit Schirmmützen oder Auto-Sonnenblenden irritiert hin und wieder.

Ich gebe 4 von 5 Schutzfaktoren

Testumgebung 2: Rasterflug für die Vermessung

Programmierung am Bildschirm und Überwachung VLOS und am Bildschirm
Wichtig: Verglichen mit dem Inspektionsflug ist die Drohne automatisiert unterwegs und die Überwachung des Luftraumes spielt eine noch grössere Rolle. Die Telemetrie- und Fortschrittsdaten des Fluges werden am Display überwacht.

Ergebnis:
Die Brille ist beinahe für diesen Zweck gebaut worden – könnte man meinen. Der anstrengende Unterschied zwischen hellem Himmel mit vollem Sonnenschein und dunklem Untergrund (Natur oder Asphalt) wird von Helligkeitsanpassung der Brille weitgehend adaptiert. Die Anpassung erfolgt so schnell und fliessend, dass ich es beim Tragen kaum bemerke. Auch das geringe Gewicht der Brille macht das Tragen bei schnellen Kopfbewegungen komfortabel.
Die vorhin genannten Verzerrungen im Glas fallen in dieser Umgebung nicht auf. Für diesen Einsatz bin ich voll und ganz happy mit der react.

Fazit Testumgebung 2:
Kurz und knackig – Ich gebe 5 von 5 Schutzfaktoren


Testumgebung 3: Gletscherwanderung

Der Extremtest – Anwendung auf dem Gletscher, gleissendes Licht und tiefe Schatten
Wichtig: Zuverlässigkeit, Gewicht, Tragekomfort über lange Dauer und in extremen Haltungen

Ergebnis:
Unter diesen Bedingungen soll die Brille die Augen nicht nur vor schädlicher Sonneneinstrahlung sondern auch vor Wind schützen. Sie muss Robust sein, denn im Falle eines Verlustes muss schnell vom Gletscher abgestiegen werden, da sonst die Gefahrvon Schneeblindheit besteht.
Das Polycarbonat verspricht diese Robustheit da es bruchsicher ist. Das beruhigt bereits ungemein. Und wenn auch die Elektronik nicht mehr funktionieren würde, ist die Polarisierung und die UV-Schutzbeschichtung nachwievor vorhanden. Apropos Elektronik – die Brille kann auch im Regen getragen werden.
Durch die adaptive Helligkeitsanpassung eignet sich die Brille gut beim Wechsel vom hellen Schnee/Eis in den dunklen Fels. Wenn man am Fels klettert sieht man alle Griffe tiptop und trotzdem kann man zwischen durch den Blick über die Landschaft schweifen lassen.
Der kurzzeitige Blick in die Sonne ist unangenehm, dazu verdunkelt die Brille zuwenig. (Achtung: Niemals direkt in die Sonne schauen… auch mit dieser Brille nicht)
Für Längere Zeit im Schnee oder Eis wünsche ich mir noch etwas mehr Abdunklung. Nach einigen Stunden habe ich doch das Gefühl, etwas überbelichtet zu sein.
Des weiteren darf die Brille noch einiges näher am Kopf anliegen. Der Wind zieht leicht von der Seite und von unten ans Auge, was zur Austrocknung und Belastung der Augen führt. So kann die Brille leider nicht optimal als Windschutz dienen.
Bei tiefem Sonnenstand reflektiert die Sonne welche seitlich hinter die Brille scheinen kann in den Gläsern. Auch dies würde für ein enger anliegendes Design sprechen.
Sehr positiv ist auch hier das sehr geringe Gewicht und die Stabilität des Rahmens und der Gläser.

Fazit Testumgebung 3:
Für den alpinen Einsatz in Schnee und Eis habe ich doch noch einige Wünsche offen. Daher gibt’s für die adaptive Helligkeitsanpassung und die robuste und stabile Bauweise 3 von 5 Schutzfaktoren.

Testumgebung 4: Gleitschirm

Hochalpine Anforderungen mit direkter Sonnenexposition und Ablesen der Instrumente
Wichtig: Hohe Adaptions-Dynamik, guter Pass-Sitz, Windschutz

Ergebnis:
Beim Aufdrehen in der Thermik schaut man als Gleitschirmpilot ca. 8sek in die Sonne, danach 8sek in den Schatten – und das über längere Zeit und unter konstanter Windanströmung.
Die schnelle Adaption funktioniert hier wunderbar, der Helligkeitssensor wird vom Helm kaum gestört. Die Verdunkelung dürfte aber für mein Gefühl noch einen Tick stärker sein um die direkte Sonnenexposition ermüdungsfreier ausgleichen zu können. Der Formschluss zum Gesicht ist auch bei dieser Anwendung mit grossem “Spaltmass” versehen, womit der Windschutz nicht optimal ist.
Das Ablesen der Instrumenten-Displays (Variometer, Handy) funktioniert aber vorzüglich!
Erst nach der Rückfahrt nachhause habe ich die Brille weggelegt. Sie hat mich unterstützt in der Seilbahn, bei den Startvorbereitungen, im Flug und im Auto.

Fazit Testumgebung 4:
Es ist die Sonnenbrille die man nicht mehr weglegt und somit immer die Hände frei hat. Sie macht alles, wozu man sonst 4 verschiedene Brillen braucht – aber auch vieles mit gewissen Einschränkungen.
Ich gebe 4 von 5 Schutzfaktoren

Die react ist ein sehr gelungenes Produkt. Für den anspruchsvollen Drohnenpiloten der effizient und sicher arbeiten muss, empfiehlt das Remote Vision Testteam die Sonnenbrille!
Sie ist eines jener Tools, welche man schmerzlich vermisst, wenn man sie nicht dabei hat. Sie bringt einen deutlichen Mehrwehrt für die Leistungsfähigkeit des Piloten und die Sicherheit anspruchsvoller Drohnen-Operationen.

Ein innovatives Produkt. Einfach praktisch.

Lars Huser

Sie fehlt, wenn ich sie nicht dabei habe.

Ueli Sager